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Angewandte Kinesiologie *NEU!*

 

Angewandte Kinesiologie ist eine New Age-Theorie und -Therapie, konzipiert von George Goodheart, D.C. Laut dem International College für Angewandte Kinesiologie basiert AK "auf chiropraktischen Prinzipien und erfordert manuelle Veränderung des Rückgrates, der Gliedmaßen und der Schädelknochen als strukturelle Grundlage seiner Vorgehensweisen".

 

Allerdings vereinen Goodheart und seine Anhänger die Chiropraktik mit traditioneller chinesischer Medizin (unter anderem) und akzeptieren nicht nur die Idee des ch'i und der Meridiane der Akupunktur, sondern nehmen eine Universalintelligenz geistiger Natur im Nervensystem an. Sie glauben, dass die Muskeln den Fluss des ch'i widerspiegeln und dass man durch Messung des Muskelwiderstandes die Gesundheit von Organen feststellen könne. Anwender behaupten etwa, sie könnten Ernährungsmängel durch das Messen von Muskelwiderstand feststellen.

 

Dies ist eine empirische Behauptung und kann folglich geprüft werden, was auch geschehen ist (Kenny, "Applied Kinesiology Unreliable for Assessing Nutrient Status," Journal of the American Dietetic Association, 88:698-704, 1988.). Der Test zeigte, dass die Behauptung falsch ist. Weitere Behauptungen seitens der Anwender werden vor allem von Anekdoten der Verteidiger der AK unterstützt. Keine wissenschaftliche Zeitschrift von Rang hat jemals einen Aufsatz veröffentlicht, der den Wert der AK bestätigt hätte (nach Janice Lyons, R.N.)


Angewandte Kinesiologie sollte nicht mit echter Kinesiologie verwendet werden, der wissenschaftlichen Erforschung der Prinzipien von Mechanik und Anatomie im Bezug auf menschliche Bewegungsabläufe.


Die "Prüfung des Muskelwiderstandes" wird häufig durchgeführt, indem der Anwender versucht, den ausgestreckten Arm einer Testperson hinunterzudrücken, während diese in der Hand eine schädliche Substanz hält. In diesem Fall soll es leichter sein, den Arm herabzudrücken, da die Negativwellen den Körper schwächen. "Blinde" Tests haben ergeben, dass AK vollkommen nutzlos ist. James Randi beschreibt in Psychic Investigator seinen Test für die britische AK-Anwenderin Soozie Holbeche (Randi, S. 24) - mit Ergebnissen, die statistisch zu erwarten waren.

 

Ich bin auf eine sehr ausführliche Beschreibung der "Angewandten Kinesiologie" von Colin Goldner gestossen. Sie beginnt mit einer Beschreibung des "Muskeltests ".

 

Im Zentrum der "Angewandten Kinesiologie" (kínesis: griech.= Bewegung) steht der sogenannte "Muskeltest", entwickelt in den 1960ern von dem amerikanischen Chiropraktiker George Goodheart:

Der Therapeut fordert den Klienten auf, einen Arm im rechten Winkel zur Seite zu halten, legt dann seine Hand auf dessen Handgelenk und versucht, den Arm gegen den Widerstand des Klienten nach unten zu drücken.

Normalerweise kann dieser dem Druck ohne weiteres standhalten, der Arm bleibt im Schultergelenk "eingerastet". Halte der Klient nun in der anderen Hand eine "schädliche Substanz" - ein ungesundes Nahrungsmittel (z.B. Zucker) oder ein ungeeignetes Medikament -, so lasse sich der Testarm leicht nach unten drücken.

Der "Stressor" blockiere die durch den Körper fließende Energie, sämtliche Muskeln - der Test wird nur aus Gründen der Praktikabilität am Oberarm durchgeführt - würden schlagartig geschwächt.

Krankheiten jeder Art sollen auf diese Weise "blitzschnell" zu diagnostizieren sein: Der Klient legt seine Hand auf einen möglichen Problembereich seines Körpers und lässt den Armtest an sich vornehmen. Bei tatsächlicher Störung erweist sich der Muskel angeblich sofort als "schwach".

"Der Körper lügt nie"

Allein der Gedanke an ein möglicherweise erkranktes Organ schwäche den Testmuskel, sofern dieses in der Tat erkrankt sei. Der Therapeut befragt hierzu den Klienten detailliert nach seinem körperlichen Gesundheitszustand und führt zugleich den Muskeltest durch: Ein geschwächter Muskel signalisiere dann auf ein Problem in dem fraglichen Bereich, denn: "Der Körper lügt nie".

Der Muskeltest - über einen Bestseller des australischen Goodheart-Schülers John Diamond (Your Body Doesn't Lie) Anfang der 1980er zu weltweiter Popularität geführt (und insofern auch als "Diamond-Methode" bekannt) - wird von zahllosen Alternativheilern zur Diagnose sowie zur Indikationsstellung bestimmter Medikamente oder Heilverfahren eingesetzt.

Um ein geeignetes (vorzugsweise homöopathisches) Medikament zu finden, eines Aura-Soma-Öls, Bach-Blütenmittels, Heiledelsteins und dergleichen, nimmt der Klient ein Fläschchen beziehungsweise einen Stein nach dem anderen in die Hand und lässt den Muskeltest ausführen: Bleibt der Arm bei einem Mittel in der Schulter "eingerastet", soll es zur Behandlung geeignet sein.

Von kinesiologischer Diagnostik ist entschieden abzuraten: Bei ihr besteht das Risiko, dass Gesunde für krank und Kranke für gesund erklärt werden, dass unnötige Medikamente eingenommen, aber notwendige und wirksame Behandlungen versäumt werden.

Es gibt keinerlei Hinweis auf eine diagnostische oder sonstige Tauglichkeit des Muskeltests. Vielmehr haben unabhängige Studien gezeigt, dass die Ergebnisse in erster Linie auf die suggestive Einwirkung des Heilers auf den Klienten zurückgehen.

Insofern ist auch das szeneübliche Vorgehen, die "Effizienz" alternativtherapeutischer Verfahren oder Heilmittel über kinesiologische Vorher-/Nachher-Muskeltests zu "belegen", reine Augenwischerei und ebenso unbrauchbar wie all die sonstigen, meist zirkelschlüssig aufeinander verweisenden "Belege" via Kirlianphotographie, Radiästhesie oder Elektroakupunktureller Hautwiderstandsmessung nach Voll und dergleichen.

Ein weiterer Goodheart-Schüler namens John Thie stellte Anfang der 1970er ein kinesiologisches Therapieprogramm vor, das unter dem Namen "Touch for Health" (Gesund durch Berührung) energetische Blockaden im Körper aufzulösen vorgibt, die, bedingt durch eine Vielzahl bewusster und unbewusster "Stressoren", Ursache sämtlicher körperlicher und seelischer Probleme seien.

Als Stressor gilt der Kinesiologie jeder störende oder schädigende Einfluss - messbar durch den Muskeltest -, unabhängig davon, ob der Betroffene ihn überhaupt wahrnimmt und/oder tatsächlich als solchen empfindet.

Zur Behandlung werden auf der Grundlage der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bestimmte Punkte mittels einer Art Akupressurmassage, ähnlich dem Shiatsu, gedrückt.

Das Verfahren ist angeblich angezeigt u.a. bei Allergien, Ängsten, Asthma, Depressionen, Essproblemen, Migräne, Neurodermitis, Selbstwertproblemen, Suchtverhalten, Schlafstörungen, Unpünktlichkeit und Lebenskrisen jeder Art.

Zur Therapie beispielsweise von Verdauungsproblemen sei der erste Punkt des Milzmeridians, gelegen auf der Innenseite des großen Zehs, kräftig zu drücken. Einen Wirkbeleg für die "Touch-for-Health"-Druckpunktmassage gibt es nicht.

 

 

Edu Kinestetik / Brain Gym

 

Innerhalb der letzten zwanzig Jahre hat sich ein gewerblicher Lebenshilfe-Markt etabliert, dessen Angebote u.a. die Heilung körperlicher Beschwerden, psychischer Störungen, die Bewältigung von Lebenskrisen, Leistungssteigerungen u.v.m. versprechen. In den letzten Jahren sind zunehmend Eltern, Kinder und Pädagogen zu Adressaten dieses "Psycho-Marktes" geworden. Zahlreiche Ansätze und Methoden beziehen sich nun explizit auf pädagogische Probleme und drängen immer stärker in pädagogische Arbeitsfelder vor.

 

Den größten Zulauf unter den speziell für den pädagogischen Bereich angebotenen Methoden und Therapien kann in den letzten Jahren die sogenannte "Edu-Kinestetik" (auch: "Brain-Gym") verzeichnen. Insbesondere für die Schule kann man von einem regelrechten Boom dieses Ansatzes sprechen. Edu-Kinestetik wird von vielen Lehrern und Heilpädagogen praktiziert und ist in einigen Bundesländern offizieller Bestandteil der Lehrerfortbildung. Die Edu-Kinestetik hat sich aber auch in der kindertherapeutischen Praxis (z.B. bei Psychologen, privaten "Lernberatern" -meist ehemalige Lehrer- sowie Heilpraktikern) etabliert. Etliche "Kinesiologen" bieten heute in Schulen, Volkshochschulen, in der Lehrerfortbildung und privaten Praxen eine Behandlung von Kindern mit Edu-Kinestetik bzw. entsprechende Kurse an.

 

Mit Brain-Gym-Übungen der folgenden Art sollen "Lernblockaden" und "legasthenische Störungen" aufgelöst werden:
"1. mit je zwei Fingern den Rand des Schambeins und mit weiteren zwei Fingern die Unterlippe für 30 Sekunden halten. Dies hilft, besser geerdet zu sein, hält den Körper entspannt und den Geist wach. Es ermöglicht, nach unten zu sehen, ohne dass die Augenenergien abschalten ('Erdknöpfe', Zentralmeridian).

2. mit zwei Fingern das Steißbein und mit zwei weiteren Fingern die Oberlippe für 30 Sekunden halten. Dies verhilft zu einer besseren Raumorientierung und hält dich offen für Informationen von außen ('Raumknöpfe', Gouverneursmeridian).
3. dehne und ziehe die Ohren sanft von innen nach außen und von oben nach unten. So kannst Du besser zuhören ('Denkmütze')" .

Mit "Edu-Kinestetik" und "Brain-Gym" macht Kinesiologie sich seit Jahren im lukrativen Nachhilfe- und Lernförderungsmarkt breit, unzählige Lehrer und Heilpraktiker bieten derlei "Lernhilfe" an.

 

Ihre Vertreter behaupten, mit der Edu-Kinestetik eine Methode zur Lösung vielfältiger pädagogischer Probleme vorzulegen. Ihr Begründer Paul Dennison, so heißt es u.a., sei ein "Pionier in Angewandter Gehirnforschung" und habe Edu-Kinestetik auf dem Hintergrund neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt. Dreh- und Angelpunkt der Edu-Kinestetik sind körpernahe Behandlungstechniken, die beim Menschen angewandt angeblich viele positive Wirkungen erzielen können. Dabei werden vor allem positive Effekte für den (schul)pädagogischen Bereich bzw. für die Anwendung bei Kindern versprochen, so z.B. die Beseitigung von Lernschwierigkeiten, von Hyperaktivität und Ängsten, vermehrte Leistungssteigerungen oder eine "Erweiterung des Gehirnpotentials". Mit Slogans wie "Bewegung ist das Tor zum Lernen" oder dem Verweis auf "Ganzheitlichkeit" u.ä. erweckt Edu-Kinestetik den Anschein eines (reform)pädagogischen und humanitär orientierten Ansatzes.

 

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) warnt, kinesiologische Verfahren seien nicht nur unnütz und teuer, sondern auch schädlich, wenn damit wertvolle Zeit für wirkliche Hilfe vertan werde.

 

 

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