Akupunktur
Die Gerac-Akupunkturstudien von Werner Hessel
Ende Oktober 2004 wurden beim Deutschen Orthopädenkongress in Berlin die ersten Ergebnisse der Gerac- (german acupuncture trials) Akupunkturstudien zum chronischen LWS-Syndrom (Rückenschmerz über sechs Monate) und Kniegelenksverschleiß (Gonarthrose) vorgetragen. Die Gerac-Studien waren gemäß den Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen in seinem Beschluss zur Akupunktur vom 16.10.2000 geplant und durchgeführt worden. Diese Studien sollen primär wissenschaftlich begründet klären, ob die Akupunktur gemäß den allgemein anerkannten Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin auch nach sechs Monaten besser wirkt als eine Scheinakupunktur (die darin besteht, dass man in Nicht-Akupunkturpunkte sticht = Sham-Akupunktur), und sekundär Akupunktur in gleichem Maße wirkt wie die westliche (schulmedizinische) Standardtherapie. In die Studie zum chronischen Kreuzschmerz waren insgesamt 1162 Patientinnen und Patienten einbezogen (Verum: 387, Sham: 387, Standard: 388), bei derjenigen zum chronischen Knieschmerz waren es 1039 (Verum: 330, Sham: 367, Standard: 342). Besonderheiten waren der Einsatz einer Telefonzentrale zur beobachterverblindeten Erhebung der Ein- und Ausschlusskriterien, der eingenommenen Medikamente und der Zielgrößen für die Beurteilung des Therapieerfolges mittels Telefoninterviews sowie der Einsatz einer Randomisierungszentrale zur Sicherstellung der Verblindung (Concealment): Die durch Zufall zugeteilte Behandlung wurde dem behandelnden Arzt erst dann per Fax mitgeteilt, nachdem der Patient zur ersten Behandlung in der Arztpraxis erschienen war. Die Studien zu Kopfschmerz/Migräne sind noch nicht abgeschlossen. Die im Oktober 2004 mitgeteilten Ergebnisse haben sowohl Anhänger als auch Kritiker der Akupunktur überrascht:
1. Die Akupunktur nach den Regeln der TCM unterscheidet sich in ihren Ergebnissen nicht wesentlich von der Scheinakupunktur (Sham).
2. Akupunktur ist in der klinischen Anwendungspraxis bei chronischen Kniegelenksarthrose- und Rückenschmerzen doppelt so wirksam wie eine westliche Standardtherapie.
Allerdings ist für Akupunktur-Anhänger nicht die Überlegenheit dieser Methode das Überraschende, sondern die ähnlichen Ergebnisse von Verumund Scheinakupunktur. Die Argumente: Die Verum-Akupunktur sei keine TCM-Akupunktur oder doch nur eine Minimalakupunktur gewesen und deshalb ohnehin nicht hochwertig. Die spezifische Syndromdiagnostik nach den Kriterien der TCM spielt keine Rolle. Die in der chinesischen Medizin essenzielle Lehre von der Lebensenerige sei ausgeklammert worden. Die zu wählenden Punktkombinationen seien teilstandardisiert gewesen. Es müssten Studien folgen, die die angewendete westliche Akupunktur mit der echten TCM-Akupunktur vergleichen. Die Sham-Akupunktur sei keinesfalls eine Placebo- Akupunktur, da jeder Punkt des Köpers als Akupunkturpunkt in Frage komme. Insofern seien zwei ganz ähnliche Akupunkturmethoden miteinander verglichen worden. Während es offensichtlich ist, dass Doppelverblindung bei der Akupunktur nicht möglich ist, weil der Behandler weiß (und wissen muss), was er tut, sind auch Stimmen laut geworden, die die Verblindung der Patienten in Frage stellen, weil auf den Internetseiten www.gerac.de das Studiendesign und die Lokalisation von echten Akupunkturpunkten und Sham-Punkten von Anfang an genau beschrieben wurden, sodass jeder Interessierte sich informieren konnte. In diesem Zusammenhang ergeben sich folgende weitere Fragen:

